Was brauchen Aquariumpflanzen?

Aquariumpflanzen

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Zimmerpflanzen zu pflegen ist schon eine Kunst für sich – aber Aquariumpflanzen? Für viele Menschen ist die Frage nach der Bepflanzung in einem Aquarium eher sekundär, wenn überhaupt. Erst wenn die Beckengröße und die Fischarten festgelegt sind, beginnen sich die Gedanken um die Ausstattung zu kreisen. Dabei spielen die Pflanzen in der Unterwasserwelt eine maßgebliche Rolle. Tatsächlich sollten sie noch vor den Fischen in das Becken einziehen, es bewohnbar und ansehnlich machen. Doch was brauchen Aquariumpflanzen eigentlich, um zu gedeihen?

Erstbepflanzung im Aquarium

In einem Aquarium übernehmen die Pflanzen gleich mehrere Aufgaben. Sie sind wie ein natürlicher Filter: Sie reinigen das Wasser, reichern es mit Sauerstoff an und können sogar diverse Giftstoffe wie Ammonium und Nitrat, welche durch die Hinterlassenschaften der Fische ins Wasser gelangen, aufnehmen beziehungsweise in harmlose Stoffe umwandeln.

Erste Pflanzen im Aquarium

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Gleichzeitig bieten sie den Bewohnern der Unterwasserwelt ausreichend Schutz, Rückzugsmöglichkeiten und eine natürliche Tarnung. Nur so können Fische sowie andere Tierarten im Aquarium ihr artgerechtes Verhalten ausleben und sich wohl fühlen.

Darüber hinaus ist die Bepflanzung auch äußerst dekorativ. Bei der Wahl der Pflanzenarten sollte dennoch das Hauptaugenmerk auf deren Wirkungsweise liegen. Erst mit ihrer Hilfe wird das Wasserbecken nämlich zu einem richtigen Ökosystem und damit zu einem belebbaren Aquarium.

Welche Pflanzenarten kommen in Frage?

Nicht jede Unterwasserpflanze eignet sich für jedes Aquarium. Abhängig von der Beckengröße, den Wassereigenschaften sowie den Tierarten, die einmal einziehen sollen, muss genau darauf geachtet werden, welche Bepflanzung sich anbietet. Faktoren wie Lichtquellen und Temperaturen spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle. Sie sorgen für optimale Bedingungen zur Photosynthese und damit zur Sauerstoffproduktion.

Pflanzen, die schon nach kurzer Zeit eingehen, weil sie eben nicht geeignet waren, bewirken am Ende das Gegenteil des gewünschten Effektes: Sie vergiften das Wasser durch ihre Fäulnisprozesse.

Parallel gilt bei der Erstbepflanzung zu beachten, dass kein wahrhafter Wald das Becken zuwuchert. Die Pflanzen würden sich gegenseitig behindern, das Becken übermäßig füllen und den Fischen zu wenig Schwimmfreiheiten gewähren. Es empfiehlt sich daher immer eine Kombination aus schnell und langsam wachsenden Pflanzen.

Die Artenvielfalt sollte jedoch nicht übertrieben werden. Besser ist es, nur drei bis vier Arten und dafür mehrere Pflanzen von diesen einsetzen anstatt von zehn verschiedenen Arten jeweils eine. Mal abgesehen vom visuellen Chaos, bevorzugen es Aquarienpflanzen, wie die Vallisneria zum Beispiel, in Gruppen angepflanzt zu werden.

Echte Aquariumpflanzen

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Die beliebtesten Aquarienpflanzen werden vor allem auf Grund ihrer pflegeleichten Handhabung bevorzugt. Zu ihnen zählen unter anderem:

  • Vallisnerien, auch Wasserschrauben genannt: Dabei handelt es sich um schnell und lang wachsende Süßwasser-Pflanzen mit hohem Lichtbedarf. Sie sehen aus wie Gras, haben lange, dünne Blätter und wachsen bis zum Beckenrand. Sie müssen regelmäßig gekürzt oder aussortiert werden, um nicht das ganze Becken zu vereinnahmen.
  • Sumatrafarne: Sie sind schnell wachsende und relativ anspruchslose Süßwasser-Pflanzen mit mittlerem bis hohem Lichtbedarf. Ihr großer Vorteil: Sie vermindern die Algen-Bildung, weil sie selbst einen Großteil der Nährstoffe verarbeiten. Parallel sind sie auch als frei treibende Schwimmpflanzen geeignet und auf Grund ihrer feingliedrigen sowie gefächerten Wuchsform als buschförmig zu beschreiben.
  • Elodea, auch Wasserpest genannt: Hiermit sind die schnell wachsenden Süßwasser-Pflanzen gemeint, die zwar hohe Ansprüche an viel Licht stellen, dafür aber sehr ausdauernd sein können. Sie wachsen verzweigt mit buschig aufgestellten Blättern.
  • Südlichesblatt: Ein bisschen sieht es aus wie Klee. Fettblatt ist schnell und flächendeckend wachsend, daher gut für Steinbepflanzungen geeignet und hat einen mittlerem bis hohem Lichtbedarf. Es kann jedoch auch recht hoch werden und sollte dementsprechend regelmäßig gekürzt werden.
  • Karolina-Haarnixe: Diese schnell wachsende Pflanze gedeiht ebenfalls im Süßwasser, steht in Gruppen gut da und benötigt mittlere bis hohe Lichtintensität. Mit ihren feinen Blättern ähnelt sie schon fast einem Nadelgewächs.
  • Cryptocoryne, auch Wasserkelche oder Wassertrompeten genannt: Sie sind langsam wachsend, dafür ausdauernd und sie sind sowohl unter Wasser als auch über Wasser lebensfähig. Sie zählen ebenfalls zu den Süßwasser-Pflanzen und bilden kelchförmige Blattwerke.
  • Echinodorus beziehungsweise Schwertpflanzen: Diese langsam wachsenden Süßwasser-Pflanzen fächern recht breit, haben oval geformte Blätter und können zum Teil sehr schöne, rötliche Färbungen annehmen, wodurch sie fast wie Laub aussehen.
  • Anubia, bekannt auch als Speerblatt: Anubia ist langsam wachsend bei mindestens mittlerem Lichtbedarf. Ursprünglich handelte es sich um eine Sumpfpflanze, nun gedeiht sie auch im Süßwasser der Aquarien. Sie fühlt sich im Kies genauso wohl wie auf Steinen und Hölzern.
  • Mangroven, Algen, Seegräser, Korallen: Sie alle zählen zu den Salzwasser-Pflanzen und benötigen dementsprechend besondere Bedingungen, um optimal zu gedeihen. Neben dem typischen Salzgehalt, brauchen sie zum Teil spezielle Dünger, eine andere Körnung als Bodengrund und nicht zuletzt jede Menge Licht.

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Künstliche Wasserpflanzen

Immer wieder werden Aquarien mit Kunstpflanzen bestückt. Dadurch geht jedoch nicht nur der naturgemäße Filter-Effekt verloren, sondern das gesamte Gleichgewicht im Ökosystem „Aquarium“ erhält nicht die Unterstützung, die benötigt wird.

Als Ausgleich kommen daher technische Geräte zum Einsatz, die – ebenfalls künstlich – für den Sauerstoffgehalt zuständig sind und das Wasser reinigen. Künstliche Aquarienpflanzen haben tatsächlich aber auch ein paar Vorteile:

  • Sie benötigen keinerlei Pflege.
  • Sie können weder verfaulen noch erkranken.
  • Sie bieten dennoch Schutz und Tarnung für die Fische und anderen Tiere.

Nichtsdestotrotz wird eine Kunstpflanze niemals so natürlich aussehen wie das Original. Genutzt werden sie vor allem zu dekorativen Zwecken, beispielsweise um den vielleicht noch dünnen Bestand zusätzlich zu verschönern. Oder sie müssen bei erkrankten Fischen als Ersatz herhalten, damit diese sich nicht an den „normalen“ Pflanzen vergiften.

Mitunter sollen die Kunstpflanzen auch einfach etwas Farbe ins Wasserbecken bringen. Zum Beispiel indem sie in Form künstlicher Riffe in ein Süßwasser-Aquarium platziert werden. Den Gestaltungsideen sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Das Wohl der Fische sollte allerdings immer Priorität haben. Für die artgerechte Haltung sind sie auf eine angemessene Bepflanzung angewiesen.

Pflege der Aquariumpflanzen

Grundsätzlich wird das Aquarium beginnend mit dem Bodengrund (inklusive Langzeitdünger), Sanden, Steinen und Höhlen sowie anderer Dekoration eingerichtet. Es folgt schrittweise die Wasserzufuhr. Erst bei ausreichender Füllmenge werden die Pflanzen eingesetzt, und zwar mit Bedacht: In Abhängigkeit von der jeweiligen Pflanzenart sollte als Standort der Hintergrund, die Seiten oder spezielle Ebenen gewählt werden. Wichtig hierfür ist, dass der Bodengrund gut vorbereitet ist, um den Wurzeln ausreichend Halt zu bieten. Der Langzeitdünger versorgt bereits von Anfang an die Pflanzen mit allen wichtigen Nährstoffen. Nach ungefähr vier bis fünf Wochen stabilisiert sich dann das biologische Gleichgewicht im Aquarium.

Zur Einpflanzung genügt es in der Regel eine kleine Mulde in den Kies zu drücken. Die Wurzeln werden zunächst vorsichtig gekürzt, damit sie später umso kräftiger nachwachsen. Dann wird die Pflanze in die Mulde hinein gesetzt und wieder mit Kies bedeckt. Aquarienpflanzen sind weder starker Witterung noch starken Strömungen ausgesetzt. Dennoch sollte der Bodengrund nicht zu feinkörnig sein.

Neben ausreichend Halt, sind eine optimale Nährstoffversorgung und Belüftung für die Wurzeln essentiell. Aquarienkies mit ca. 3 bis 8 mm Körnung erweist sich meist als die beste Wahl. Der Kies sollte zudem möglichst helle Farben haben, damit die Wurzeln noch genug Licht abbekommen.

Einige Ausnahmen wachsen sogar vorrangig auf felsigem Untergrund und nicht im Kies. Diese Pflanzen können mit einem dünnen Faden am Stein justiert werden, bis die Wurzeln sich ausreichend eingegraben haben.

Wasserwerte und Düngung

Um die Nährstoffversorgung sicherzustellen, sollten regelmäßig die Wasserwerte überprüft werden. Insbesondere der PH-Wert, der Eisengehalt sowie der Sauerstoff- beziehungsweise der CO2-Gehalt sind zu kontrollieren.

Bei Bedarf kann mit Flüssigdünger oder sogenannten Bio-CO2-Sets nachgeholfen werden. Ein gewisses Verständnis für die biologischen sowie chemischen Prozesse sollte der Aquaristik-Liebhaber jedoch mitbringen, um die richtigen Maßnahmen zum richtigen Zeitpunkt zu ergreifen.

So bevorzugen viele Pflanzenarten zum Beispiel ausschließlich weiches Wasser. Der Wasserwechsel sollte ebenfalls in regelmäßigen Abständen erfolgen, um die Reinigung zu unterstützen. Dies kommt den Fischen sowie den Pflanzen gleichermaßen zu Gute.

Die Unterwasser-Gärtnerei

Ähnlich wie bei einem Gemüsebeet, müssen auch Unterwasserpflanzen gepflegt werden. Abgefallene Reste sind zu entfernen, zu schnell wachsende Triebe zu kürzen. Die ideale Lichtversorgung sollte dadurch gewährleistet sein.

Künstliche Lichtquellen sind nicht zuletzt den Fischen zu Liebe der natürlichen Sonneneinstrahlung zu bevorzugen. Somit muss das Aquarium nicht unmittelbar am Fenster, und damit im Zug, stehen und auch die Temperaturen lassen sich besser regulieren. Nach ungefähr einem Jahr Nutzungsdauer sollten die Leuchtstoffröhren jedoch ausgetauscht werden. Für uns Menschen kaum sichtbar, lässt in etwa nach dieser Zeitspanne die Leuchtkraft nach und die Photosynthese leidet unter dem mangelndem Spektrum der Lichtquellen.

Bei optimalen Bedingungen fangen viele Pflanzen von selbst an, Senker zu treiben. Diese können ebenfalls abgeschnitten und entfernt oder als neue Pflanzen gezüchtet werden.

Verfärben sich die Blätter dagegen gelblich, braun oder werden generell blass, könnte dies ein Anzeichen für Nährstoffmangel oder – überschuss sein. Durch Überprüfung der Werte sowie durch Düngung bei Bedarf sind solche Vorkommnisse jedoch gut in den Griff zu bekommen.

Schwieriger wird es bei Parasiten. Schnecken, Süßwasser-Polypen und andere unerwünschte Gäste können der Bepflanzung zur Gefahr werden. Schnecken lassen sich für Gewöhnlich gut absammeln, bei anderen Schädlingen hilft es oftmals nur noch, die befallene Pflanze vorübergehend in Quarantäne zu setzen oder im Zweifelsfall gänzlich zu beseitigen.

Blaualgen bilden beispielsweise eine regelrechte Schicht auf den Blättern und behindern dadurch die Photosynthese der Pflanze. Außerdem geben sie Giftstoffe ins Wasser ab, die wiederum den Fischen schaden. In solchen Fällen ist eine gründliche Boden- und Wasserpflege gefragt. Mitunter hilft es, das Aquarium ein paar Tage unbeleuchtet zu lassen. Die Gesundheit der Fische und der Pflanzen muss allerdings bei derartigen Maßnahmen unbedingt berücksichtigt werden.

Verträglichkeit mit den Aquariumbewohnern

Schon bei der Auswahl der Aquarienpflanzen sollte die künftige Besetzung berücksichtigt werden. Zur Zucht werden vielleicht spezielle Laich-Verstecke benötigt, wie sie der Sumatrafarn bietet. Er ist außerdem sehr gut für kleine Garnelen geeignet. Wobei die Elodea (Wasserpest) wiederum überhaupt nicht für Garnelen empfehlenswert ist.

Dagegen neigen Buntbarsche dazu, zahlreiche Pflanzen anzuknabbern. Die Anubia lassen sie jedoch normalerweise in Ruhe.

Größe, Anzahl und Wuchsrichtung (flach, breit oder besonders hoch) sollten ebenso zu den Tierarten passen. Nicht nur Fische haben ihre gesonderten Ansprüche an Aquarienpflanzen, auch Kriechtiere und sogar die Pflanzen untereinander.

Pflanzenwechsel im Aquarium

Pflanzenwechsel

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Das Aquarium ist im Idealfall immer ein in sich stimmiges System. Kleinste Schwankungen, Unregelmäßigkeiten oder Störungen können das gesamte Biotop aus dem Gleichgewicht bringen. Ähnlich wie das Wasser gründlich vorbereitet, kontrolliert und erneuert werden muss, gilt eine solche Aufmerksamkeit auch der Bepflanzung gegenüber. Jeder Bestandteil ist unmittelbar vom anderen abhängig. Seien es die Fische, die technischen Hilfsmittel, die Wasserwerte, die Ausstattung oder eben die Aquarienpflanzen.

Wann muss eine Wasserpflanze gewechselt werden?

Nur wenige handelsüblichen Wasserpflanzen sind einjährig. Die meisten überdauern problemlos mehrere Jahre. Sie vermehren sich selbst, zum Beispiel durch Senker, sie begnügen sich mit den Lichtverhältnissen und Düngern sowie hin und wieder etwas Pflege.

Erst wenn eine Pflanze tatsächlich durch Nährstoffmangel oder starken Parasitenbefall so stark geschädigt ist, dass sie eher eine Belastung denn Entlastung darstellt, sollte sie ersetzt werden.

Andererseits können auch die Fische der Bepflanzung derart drastisch zu setzen, dass nur noch eine Entsorgung der betroffenen Pflanze sinnvoll ist. Solche Probleme entstehen meist, weil die Pflanzenart nicht passend zum Fischbesatz gewählt wurde.

Lose herumtreibende Pflanzen, die womöglich nicht fest genug verwurzelt waren oder durch die Fische herausgerissen wurden, lassen sich relativ gut wieder einsetzen. Zumindest solange die Wurzeln nicht zu stark beschädigt sind.

Tendenziell gilt allerdings: Aquariumpflanzen sollten möglichst unverändert bleiben, um das biologische Miteinander, das sich einmal eingespielt hat, nicht wieder zu stören. Bei Bedarf sind sie daher durch gleichwertige Pflanzen zu ersetzen.

Gründe für einen Wechsel der Bepflanzung können jedoch auch andere Faktoren im Becken sein, die sich verändern und durch neue Pflanzen ausgeglichen werden müssen. Häufig sind Laichzeiten solch ein Grund. Beim Balzen, Laichen und der Aufzucht der Jungen werden mitunter andere Bedingungen im Aquarium benötigt. Auch wenn ein neuer Bewohner dazu kommt oder umgekehrt einige wegfallen, kann ein Pflanzenwechsel sinnvoll sein.

Überwintern Aquariumpflanzen?

Anders als im Gartenteich unterliegt das Aquarium normalerweise permanent gleichbleibenden Bedingungen. Jedoch nutzen einige für Ihre Aquaristik beide Möglichkeiten zur Fischhaltung. So sind zum Beispiel Goldfische oder Kois den Sommer über im Gartenteich und werden zum Überwintern ins Aquarium gesetzt.

Das heißt jedoch nicht zwangsläufig, dass die Teichpflanzen mit umziehen müssen. Im Gegenteil: Um Pflanzen und Tiere optimal zu versorgen, sollten hierbei die Teichpflanzen unberührt bleiben, damit sie im Frühjahr wieder natürlich gedeihen können.

Für das Winterquartier im Aquarium müssen stattdessen rechtzeitig passende Pflanzen vorbereitet sein. In der Regel überwintern die betroffenen Fische bei leicht abgekühlten Temperaturen und in dunklen Räumen. Entsprechend anspruchslos sollte die Bepflanzung auskommen können. Einige Tierhalter verzichten sogar ganz auf Wasserpflanzen während der Überwinterung. Zum artgerechten Verhalten gehören jedoch gerade in dieser Ruhephase viele Rückzugsmöglichkeiten.

Für Fische sind neben Höhlen vor allem schützende Pflanzen nun mal die beste und ebenso natürliche Option, sich behütet und sicher zu fühlen.