Die richtige Ernährung für Landschildkröten

Testudinidae (Landschildkröten)Schildkröten sind wunderschöne und sehr interessante Tiere. Vor allem die Langschildkröten werden gerne als Haustiere gehalten und können sogar richtig zahm werden. Wichtig ist es jedoch, diese möglichst artgerecht zu halten. Das bedeutet nicht nur, dass die Schildkröten ausreichend Platz benötigen und täglichen Auslauf bekommen oder aber ihren natürlichen Winterschlaf halten können. Sie sollten auch in Sachen Ernährung die Bedürfnisse Ihrer Schildkröten erfüllen, sodass es ihnen an nichts fehlt. Was bei der Ernährung von Landschildkröten wichtig ist, was sie fressen müssen und was sie dürfen oder was nicht, erfahren Sie in diesem Artikel.

Mediterrane Landschildkröten fressen Pflanzen

Bei den meisten Landschildkröten handelt es sich um reine Pflanzenfresser. Dazu gehören zum Beispiel die griechischen Landschildkröten, welche hierzulande am meisten verbreitet sind. Wichtig ist es also, sich im Vorfeld zu erkundigen, was die Schildkröten wirklich benötigen. Eine falsche Ernährung kann schnell zu verschiedenen Krankheiten führen, sodass einige Exemplare nur wenige Jahre als werden. Die richtige Ernährung für diese Tiere setzt sich somit aus unterschiedlichen Pflanzen zusammen. Welche das sind, erfahren Sie im Folgenden:

Wildkräuter und Gräser

Wildkräuter und Gräser sollten bei den Landschildkröten die Hauptnahrung ausmachen, denn auch in ihren natürlichen Lebensräumen ernähren sie sich von ganz vielen unterschiedlichen Pflanzen, welche auch bei uns in Deutschland wachsen. Diese können Sie also zum Beispiel im Frühling oder Sommer ganz frisch selber von den Wiesen pflücken, um Ihren Tieren eine möglichst vitaminreiche Fütterung bieten zu können, die zudem exakt ihrer natürlichen Ernährung entspricht.

Die beliebtesten Futterpflanzen sind Folgende:

  • Aloe
  • Bärenlauch
  • Brennnesseln
  • Gänseblümchen
  • Gemeiner Frauenmantel
  • Gänsefingerkraut
  • Himbeerblätter
  • Echtes Lungenkraut
  • Gemeine Nachtkerze
  • Schafgarbe
  • Vogelmiere
  • Stiefmütterchen
  • Spitzwegerich
  • Taubnessel
  • Weißklee
  • Große Klette
  • Löwenzahn
  • Breitwegerich

Wichtig ist es bei der Auswahl der Futterpflanzen, auf einige Kriterien zu achten. So sollten die unterschiedlichen Pflanzen zum Beispiel nicht direkt am Straßenrand wachsen, wo viele Autos fahren. Diese Pflanzen sind zu stark verschmutz. Außerdem sollten die einzelnen Kräuter natürlich ebenfalls nicht giftig sein.

Des Weiteren sollten Sie darauf achten, dass die Wiesen nicht gedüngt sind, denn auch Dünger ist häufig sehr giftig für die Tiere und kann im schlimmsten Fall sogar zum Tod der Schildkröten führen. Achten Sie darauf, proteinarme Pflanzen auszuwählen, die zusätzlich nur wenige Kalorien beinhalten und obendrauf kohlenhydratarm sind.

Wichtig ist es zusätzlich, dass die Pflanzen jede Menge Ballaststoffe enthalten und die Tiere mit vielen unterschiedlichen Vitaminen versorgen. Auch Kalzium und Mineralien spielen für Schildkröten eine enorm wichtige Rolle und werden über die Ernährung durch Pflanzen aufgenommen. Schaut man sich das Verhältnis von Kalzium und Phosphor an, so sollte dieses bei 2:1 liegen, wobei das Kalzium überwiegen muss. Sorgen Sie zusätzlich nicht nur für eine ausgewogene und vitaminreiche Ernährung, sondern gestalten Sie diese zusätzlich schön abwechslungsreich. Immer die gleichen Pflanzen können auch für die Tiere schnell langweilig werden.

Welche Fehler machen Besitzer oft?

TestudinidaeViele Schildkrötenhalter machen sich kaum oder zu wenig Gedanken um die Ernährung ihrer Lieblinge. Das führt dazu, dass immer wieder die falschen Futterpflanzen ausgesucht werden. So entscheiden sich viele Besitzer vor allem für Pflanzen wie Klee, Löwenzahn oder Malven. Diese können zwar auch gegeben werden, sie sind jedoch besonders reich an Kalorien, Proteinen und Kohlenhydraten, sodass sie nur einen kleinen Teil der Ernährung ausmachen sollten. Zusätzlich ist die Ernährung oft zu kalziumarm. In diesem Fall ist es wichtig, Kalzium hinzuzufüttern. Zu guter Letzt entscheiden sich einige Schildkrötenbesitzer fälschlicherweise immer wieder für die jungen Pflanzen. Diese enthalten allerdings in der Regel zu wenige Ballaststoffe und dafür zu viel Eiweiß.

Kräuterheu verwenden


Heu sollte bei der Ernährung von Schildkröten ebenfalls auf gar keinen Fall fehlen, sodass es sich hierbei um das perfekte Beifutter handelt. Das spezielle Heu besteht aus Gräsern und Kräutern und ist somit ein besonders wichtiger Bestandteil, wenn es um die artgerechte Ernährung von Landschildkröten geht. Diese getrockneten Pflanzen stehen den Tieren in ihrer natürlichen Umgebung durchgehend zur Verfügung, sodass sie Tag für Tag etwas davon fressen. Hierbei handelt es sich um ein sehr rohfaserreiches Produkt, was es so wichtig für die Verdauung der Tiere macht. Das Heu hat die Aufgabe, den Verdauungstrakt der Schildkröten zu reinigen. Zusätzlich handelt es sich um ein natürliches Mittel gegen Parasiten.

Ebenso besteht natürlich die Möglichkeit, einzelne Kräuter und Gräser selbst zu trocknen und diese dann als Heu zu reichen. So weiß man genau, um was es sich dabei handelt und der Gang in das Zoofachgeschäft bleibt Ihnen erspart. Dafür müssen Sie lediglich die jeweiligen Pflanzen pflücken und diese an einem warmen und gleichzeitig trockenen Platz ausbreiten. Das Austrocknen der Pflanzen dauert in der Regel nur wenige Tage. Die Lagerung kann anschließend zum Beispiel in einem Kopfkissenbezug durchgeführt werden, sodass es stets schön trocken bleibt und sich kein Schimmel bilden kann.

Wie oft sollten Landschildkröten in welchen Mengen gefüttert werden?

Bei der Häufigkeit sowie der Menge an Futter kommen ebenfalls immer wieder zahlreiche Fehler zustande, welche die Gesundheit der Tiere gefährden können. Die Landschildkröten kommen im Gegensatz zu den Säugetieren mit ca. einem Achtel der Futtermenge aus, sodass es immer wieder zu Überfütterungen kommt. Die Folgen von einer Überfütterung können fatal sein. Betroffene Schildkröten können zum Beispiel viel zu schnell wachsen. Das wiederum führt zu einer oft dauerhaften Schädigung der Knochen und der Organe.

Die Fütterung sollte wie folgt aussehen:

  • Jeden Tag sollte Wiesenheu zur Verfügung stehen, welches frisch gereicht wird.
  • Alle 1-2 Tage sollten frische Kräuter gereicht werden. Diese sind über 2 Portionen zu verteilen.

Wie groß die Futterration ausfallen soll, ist abhängig von der Größe und der Anzahl der Tiere. Man kann sich jedoch daran orientieren, dass jede Schildkröte nur eine solche Menge bekommen sollte, welche innerhalb von ca. 10 Minuten komplett aufgefressen werden kann. Natürlich gibt es auch hier Tiere, die aufgrund ihrer Charakterzüge wesentlich langsamer oder sogar schneller fressen als andere. Tiere, die andere wegdrängeln oder sogar angreifen, sollten anschließend separat gefüttert werden.
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Was fressen Schildkröten in den Übergangszeiten wie Herbst und Frühling?

Die Natur bietet uns im Frühling und im Herbst nicht unbedingt viele Möglichkeiten, um die Schildkröten zu füttern. Während die Tiere im Winter oft Winterschlaf halten, müssen Sie als Besitzer zu den Übergangzeiten kreativ werden. In dieser Zeit haben Sie die Möglichkeit, auf unterschiedliche Salatsorten zurückzugreifen. Doch auch hier sollten Sie für eine gute Abwechslung sorgen.

Folgende Salatsorten sind für Schildkröten geeignet:

  • Rucola-Salat
  • Pflücksalat
  • Romanasalat
  • Feldsalat
  • Catalogna, auch als Riesenlöwenzahn bekannt
  • Endiviensalat

Die Nahrungsergänzung bei Landschildkröten

Bei Tieren, die als Haustiere gehalten werden, ist es wichtig, neben einer ausgewogenen Ernährung ebenfalls Calcium zu reichen. Das liegt vor allem daran, dass die Schildkröten in freier Wildbahn wesentlich mehr Calcium zu sich nehmen als in Gefangenschaft, was vor allem auf den Boden zurückzuführen ist, welcher wesentlich kalkhaltiger ist als hierzulande. Zusätzlich sind in den Habitaten auch immer wieder viele Schneckenhäuser und kleine Kalksteinchen zu finden, welche ebenfalls von den Tieren mit aufgenommen werden.

Damit es zu keinen Mangelerscheinungen kommt, ist es wichtig, dass Sie Ihren Tieren zusätzlich Calcium geben. Dieses ist vor allem für den Knochenbau sowie den Panzerbau sehr wichtig. Besonders gut geeignet sind zum Beispiel Sepiaschalen, welche aus 40 Prozent Calcium bestehen. Diese können Sie den Tieren einfach an den Futterort legen, sodass Ihre Schildkröten durchgehend Zugriff darauf haben. So ist es wichtig, das Calcium nicht einfach über das Futter zu streuen, denn Schildkröten nehmen nur so viel auf, wie sie selbst benötigen. Durch das Streuen über das Futter könnte eine Überdosierung hervorgerufen werden. Diese kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass das Calcium anschließend wieder aus den Knochen der Tiere ausgelagert werden würde. Neben den Sepiaschalen eignen sich ebenfalls zerstampfte Eierschalen. Sobald Sie sich für diese Variante entscheiden, sollten Sie die Eierschalen im Vorfeld jedoch 10 Minuten abkochen. Das Abkochen führt dazu, dass die sehr hartnäckige Schutzschicht auf den Eierschalen entfernt wird und diese besser aufgenommen werden können.

Frisches Wasser

Bieten Sie Ihren Schildkröten durchgehend immer ausreichend frisches Wasser an. Bei größeren Gehegen können Sie auch mehrere Wasserschalen verteilen, was vor allem bei mehreren Tieren Sinn macht. Gut geeignet sind kleine Schalen. Bedenken Sie ebenfalls, dass einige Landschildkröten sich zwischendurch auch immer mal gerne ein Bad gönnen. Hierfür sollten die Schalen gut zugänglich und groß genug sein.

Nahrungsmittel, die ungeeignet sind

Natürlich dürfen Schildkröten nicht alles fressen, was sie fressen würden. Während viele Besitzer ihren Lieblingen zwischendurch etwas Gutes tun wollen, und ihnen leckere Snacks reichen, ist es jedoch gesundheitlich falsch.

Was Sie Ihrem Liebling nicht geben sollten, erfahren Sie im Folgenden:

Obst:

Obst wird von den Schildkröten zwar heiß geliebt, es ist jedoch alles andere als gesund. So zerstört Obst zum Beispiel die Darmflora der Tiere. Das führt wiederum dazu, dass die Verwertung von der Ernährung zerstört wird und Tiere öfter an einem Parasitenbefall leiden.

Milchprodukte:

Auch Milchprodukte sind sehr ungeeignet, um als Futter für Schildkröten verwendet zu werden. Auch diese zerstören die natürliche Darmflora der Tiere, was wiederum zu einer Vergünstigung von einem Parasitenbefall sowie zu Problemen mit der Verwertung von der Ernährung führen würde.

Getreideprodukte:

Getreideprodukte gehören ebenfalls zu den Ernährungsbestandteilen, welche die Darmflora der Schildkröte angreifen und somit den Parasitenbefall begünstigen sowie die Nahrungsverwendung eindämmen.

Fertigfutter:

Fertigfutter für Schildkröten, wie zum Beispiel Pellets und Futtersticks, eignen sich ebenfalls nicht zum Verfüttern an die Tiere. Die schmecken zwar sehr lecker und sind für Besitzer einfach zu dosieren und besonders praktisch, sie enthalten jedoch oftmals viel zu viel Eiweiß. Diese Tatsache würde für ein zu schnelles Wachstum der Tiere führen, was, wie bereits erwähnt, zu Knochen- und Organproblemen führen würde.

Fleischprodukte:

Fleischprodukte führen ebenfalls zu viel Eiweiß, sodass auch hier das Wachstum der Tiere zu schnell sein würde und es auf kurz oder lang zu dauerhaften Schädigungen des Skeletts und der Organe kommen würde.

Gemüse:

Das meiste Gemüse ist nicht gesund für die Schildkröten. Es greift die natürliche Darmflora der Tiere an, was dazu führt, dass die betroffenen Schildkröten oft mit Parasitenbefällen sowie mit der ordentlichen Verwertung des normalen Futters zu kämpfen haben.

Vitaminpräparate:

Es gibt mittlerweile eine große Auswahl an unterschiedlichen Vitaminpräparaten von verschiedenen Herstellermarken. Diese sind bei einer ordentlichen Ernährung der Tiere total überflüssig und sollten daher auch nicht genutzt werden. Sie können also genauso schädlich wie gesund sein. Wichtig ist es, solche Präparate wirklich nur dann zu geben, wenn die Tiere Mangelerscheinungen aufweisen. Zusätzlich sollten Sie dann mit einem Tierarzt darüber sprechen, ob eine Fütterung mit solchen Präparaten wirklich empfohlen wird. Eine Umstellung auf das von uns benannte Futter würde in der Regel auch vollkommen ausreichen und deckt die natürlichen Ernährungsbedürfnisse der Tiere komplett ab. Eine Überdosierung an Vitaminen und Mineralien kann immerhin zu starken gesundheitlichen Folgen führen, sodass diese nicht zu unterschätzen sind.

Fazit

Schildkröten sind zwar wunderschöne und besonders spannende Tiere, sie haben jedoch auch viele Anforderungen an eine artgerechte Haltung. Sobald sich Besitzer nicht daran halten, kann es schnell zu Krankheiten führen oder zu lebensmindernden Veränderungen. Achten Sie daher stets auf eine ausgewogene, abwechslungsreiche und gesunde Ernährung. Experimentieren Sie nicht zu viel rum, sondern sorgen Sie vielmehr dafür, dass Ihre Schildkröten alle wichtigen Vitamine, Mineralien und weitere Nährstoffe über die oben aufgeführten Pflanzen erhält. Wenn Sie wirklich alles beachten, werden Sie wirklich sehr viel Freude an Ihren Lieblingen haben und den Schildkröten ein langes und gesundes Leben ermöglichen.
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