Zwerggeckos: Hübsche Terrarienbewohner

lygodactylus

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Terrarien-Neulingen werden oftmals Zwerggeckos nahe gelegt und tatsächlich begeistern die winzigen Echsen sofort jeden halbwegs interessierten Reptilien-Liebhaber. Ihre Farbvielfalt, ihr Verhalten sowie die simple Art und Weise auch einfach nur still zu stehen, zieht Blicke magisch an. Stundenlang ließe sich auf die nächste Bewegung warten, doch so sehr strapazieren Geckos gar nicht die Geduld ihrer Beobachter. Sie gelten vielmehr als rege und aktiv. Gerade die Zwerggeckos überzeugen als hübschen Terrarienbewohner, die nicht nur optisch was her machen, sondern auch schön pflegeleicht sind. Doch ist es wirklich so einfach, Zwerggeckos zu halten?

Zwerggeckos im Detail

Kurioserweise gelten nahezu alle Zwergvarianten einer Tierart als pflegeleicht, bedingt durch die Annahme, kleine Körper würden auch weniger Platz benötigen. Dabei sind es häufig eben die kleinsten Vertreter einer Art, die sogar mehr Platzanspruch haben. Sie sind meist agiler, aktiver und schneller unterwegs. Zudem sind sie in der Regel empfindlicher, besonders gegenüber Stress. In der menschlichen Hand haben sie außerdem nichts zu suchen, zu zerbrechlich sind die kleinen Wesen.

Zwerggeckos stellen hierbei keine Ausnahme da. Zwar sind Geckos allgemein relativ robust und benötigen “nur“ ein artgerecht ausgestattetes Terrarium mit optimalen Klimabedingungen sowie der richtigen Fütterung, doch sind die kleinen Zwerggeckos nicht zwangsläufig noch weniger anspruchsvoll, nur weil sie klein sind.

Ihre Körpergröße ist kein Beleg dafür, dass sie lediglich geringfügige Bedürfnisse hätten. Ein paar durchaus wichtige Tipps zur Zwerggecko-Haltung sollten daher auch Anfänger unbedingt berücksichtigen, um sich selbst und den Tieren lange Freude aneinander zu bereiten.

Systematik des Lygodactylus

Zwerggeckos

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Die wissenschaftlich beschriebene Gattung Lygodactylus umfasst rund 60 Arten Zwerggeckos, die allesamt als tagaktiv gelten. Im weiteren Sinne handelt es sich um Vertreter der Gekkonidae (Familie der Geckos). Wobei alle Geckos, ob groß oder klein, zu den Schuppenkriechtieren zählen und damit wiederum zu den Schuppenechsen. Folglich sind sie zudem wechselwarme Tiere.

Das Besondere an den Lygodactylus ist ihre maximale Körpergröße von ca. 4 bis 9 cm, und das bei adulten Exemplaren. Die meisten Arten stammen aus tropischen und subtropischen Gebieten Afrikas sowie aus Madagaskar, lediglich zwei sind auch in Südamerika zu finden.

Sie alle zeichnen sich durch runde Pupillen aus, orientieren sich visuell, sind tagaktiv und verfügen über Haftlamellen an den Zehen – sowie an der Unterseite der Schwanzspitze. Diese spezielle Eigenart ermöglicht es den Echsen nicht nur mit den Füßen perfekten Halt zu finden, sondern sogar die Schwanzspitze zum Klettern zu nutzen.

Weiterhin ist der Schwanz wie bei vielen Geckos nachwachsend. Bei Gefahr können die Echsen ihren Schwanz abstoßen, zum Beispiel weil sie dran festgehalten werden, und sich so aus einer Notlage befreien. Nachwachsende Schwänze haben allerdings eine veränderte Form, erreichen nicht die originale Länge, bilden aber wieder Haftlamellen aus. Dies verdeutlicht, wie wichtig das Klettern zum Überleben der Tiere ist.

Und tatsächlich lassen sich die meisten Zwerggeckos auf Bäumen antreffen, verbringen dort sogar den Großteil ihres Lebens. Mit anderen Worten: Sie leben arboricol. Nur wenige Arten bewohnen den Boden, die meisten bevorzugen Baumstämme, Mauern und Felswände. Dort finden sie perfekten Halt, eine Menge Versteckmöglichkeiten und sogar Nahrung in Form kleinerer Insekten.

Da Geckos aber als Haustiere immer beliebter werden, können die kleinen Echsen mittlerweile überall auf der Welt in Terrarien angetroffen werden. Die bekannteste domestizierte Art ist zweifelsohne der Gelbkopf-Zwerggecko, auch Gelbkopf-Taggecko oder Zwergstreifengecko genannt. Er ist leicht an seinem gelb gefärbten Kopf zu erkennen, der sich vom restlichen blau-grauen Korpus kontrastiert.

Viele Züchter (und Halter) legen jedoch zunehmend Wert auf Farbenvielfalt. Und so werden unter anderem auch getigerte, blau schimmernde und aquamarinfarbene Zwerggeckos populärer. Farbeffekte und Muster sind derart vielfältig, dass sie kaum mehr zusammengefasst werden können. Damit wirken die kleinen Geckos natürlich besonders hübsch im Terrarium.

Verhalten von Geckos

Während viele Jäger dämmerungs- beziehungsweise nachtaktiv sind, erfreuen Zwerggeckos ihre Halter mit einer überwiegend tagaktiven Lebensweise. Dadurch kann ihre Jagd sowie ihr typischen Verhalten hervorragend beobachtet werden. Im Terrarium klettern sie gerne von einer Ebene zu anderen, erforschen Verstecke und suchen nach Lebendfutter.

Artgerechte Haltung bedeutet für die Terraristik-Liebhaber obendrein einen Harem zu halten, sprich eine Gruppe aus mehreren Weibchen und einem Männchen. In der Natur werden Jungtiere mit Beginn der Geschlechtsreife aus dem Revier vertrieben. In der Haustierhaltung setzt der Halter den Nachwuchs rechtzeitig in ein eigenes Terrarium um. Wenn die Fortpflanzung allerdings unerwünscht ist, empfiehlt sich eine gleichgeschlechtliche Gruppe aus nur 2 bis maximal 3 Tieren.

Im Übrigen wechseln Männchen wie Weibchen ihre Farbe ins Dunkelbraun, wenn sie sich gestört fühlen oder eine Auseinandersetzung austragen. Auf dieses Stress-Anzeichen ist daher besonders zu achten.

Das richtige Terrarium für Zwerggeckos

Wer sich Zwerggeckos als Haustiere anschaffen möchte, sollte natürlich dementsprechend für möglichst artgerechte Haltungsbedingungen sorgen. Allen voran gehört dazu ein ausreichend großes Terrarium, technisches Zubehör, um die klimatischen Ansprüche zu erfüllen, sowie das Wissen um Ernährung beziehungsweise Fütterung der Tiere und eventuelle Krankheiten, die auftreten können.

Platzansprüche

Da Zwerggeckos nicht alleine gehalten werden sollten, richtet sich das Mindestmaß für ein Terrarium an den Platzanspruch für zwei adulte Tiere. 40 x 40 x 60 cm ( L x B x H) gelten dabei als Untergrenze – je mehr, desto besser. Auffallend ist diesbezüglich die Höhe. Während andere Terrarien eher längsseitig aufgebaut werden, muss das Behältnis für Zwerggeckos vertikal stehen. Dies ergibt sich aus ihrer Vorliebe fürs Klettern. In erster Linie zieht es die kleinen Echsen nämlich hoch hinaus. Ihr Revier verteilt sich eher von oben nach unten, denn von links nach rechts. Der Boden dient als Ausweichfläche, die meiste Zeit wird aber in der Vertikalen verbracht.

Zudem steigt warme Luft bekanntlich auch nach oben und so finden es die Zwerggeckos dort meist angenehmer. Bei Bedarf können sie untere Gilde aufsuchen oder sich in Höhlen verkriechen, wo kühlere Temperaturen herrschen.

Klima- und Beleuchtungstechnik

Apropos Temperaturen: Zwischen 25 und 32° C sollten tagsüber im Terrarium herrschen, je nach Standort. Sprich, “Sonnenplätze“ dürfen etwas wärmer sein, Höhlen müssen dagegen Abkühlung bieten können. Nachts darf es dagegen generell etwas kühler werden, 18 bis 22° C sind völlig OK. Zeitschaltuhren dienen hierfür als hilfreiche Unterstützung, um den Tages- und Nachtrhythmus zu automatisieren. Sowohl die Klima-Technik als auch die Beleuchtung lassen sich somit optimal regulieren.

Für letztere gilt eine Intensität und Dauer, wie sie auch in der natürlichen Umgebung herrschen würde. Unter den Spots darf es daher schon mal heiß werden, solange die Echsen freie Platzwahl haben und sich bei Bedarf wieder zurückziehen können. Wichtig ist, dass sie sich nicht an den Lampen verbrennen können. Außeninstallationen sind meist die beste Lösung. In den Sommermonaten beträgt die Tageszeit etwa 12 Stunden, im Winter nur knapp 6 Stunden. Übergangsjahreszeiten, wie wir sie kennen, benötigen die Geckos nicht, obgleich die saisonale Umstellung nicht allzu abrupt erfolgen sollte.

Die Luftfeuchtigkeit wiederum kann einfach mittels Wasser-Sprühflasche manuell aufrecht erhalten werden. 60 bis 80 % Luftfeuchte sind hier das Ziel. Zwerggeckos lieben es zudem, Wassertropfen von den Pflanzenblättern abzulecken, was allerdings nicht die Frischwasser-Versorgung ersetzt.

Gestaltungsmöglichkeiten

Geckos halten im Terrarrium

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Tatsächlich nehmen Beleuchtung und Heizung nicht allzu viel Platz weg. Moderne Konzepte lassen sich sogar in die Gestaltung mit einbeziehen. So gibt es zum Beispiel beheizbare Steinplatten und Schieferplatten, auf denen sich die Echsen wärmen können. UV-Licht-Lampen regen den Stoffwechseln an und unterstützen damit die Vitaminproduktion, sollten aber unerreichbar für die Kletterkünstler sein, damit sie sich an den heißen Lampen nicht verbrennen. Gegebenenfalls helfen Schutzgitter, sollten Außeninstallationen nicht möglich sein.

Prinzipiell bewegen sich die Zwerggeckos zwischen allem hin und her, was in ihrer greifbaren Nähe ist. Eine Rückwand aus Kork, gespickt mit Ästen, eignet sich zum Beispiel sehr gut. Wer weniger gerne selbst bastelt, kann auch auf eine vorgeformte Terrarium-Rückwand für Zwerggeckos zurückgreifen. Oftmals sind darin bereits erste Verstecke und Höhlen eingearbeitet. Weitere Rückzugsmöglichkeiten bieten großblättrige Pflanzen, Lianen und Wurzeln. Die dichte Bepflanzung ahmt den natürlichen Lebensraum nach, sorgt gleichzeitig für frischen Sauerstoff und angenehme Luftfeuchte. Damit sind natürliche Pflanzen deutlich Kunstpflanzen vorzuziehen.

Der Boden selbst wird infolgedessen bereits fast zugestellt sein. Eine Schicht aus Sand und Erde dämmt das restliche Terrarium nach unten hin gut ab und vervollständigt die Gestaltung. Wichtig ist, dass sich die Futtertiere darin nicht zu gut verstecken können, um auch wirklich von den Zwerggeckos erbeutet zu werden. Lose Rinde und Ähnliches wären also eher zu vermeiden.

Ansonsten kann das Terrarium nach Lust und Laune die individuellen Vorstellungen eines Tropenbaumes realisieren. Frontal empfiehlt sich eine Glasplatte, wodurch das Leben in dem nunmehr hauseigenen Biotop wunderbar beobachtet werden kann.

Ernährung von Zwerggeckos

Besonders spannend ist es, Zwerggeckos beim Jagen und Fressen zu beobachten. Dank ihrer Haftlamellen bewegen sich die winzigen Reptilien überraschend schnell und sind wahrlich erfolgreich bei der Beutesuche. Als Lauerjäger warten sie zunächst geduldig bis sich das Objekt der Begierde in ihre Nähe begibt. In dem Moment reagieren sie blitzschnell. Ein kurzer Sprint, mit der Zunge ausholen und schon ist die Beute mit einem Haps im Mund.

Da dieses Verhalten ihre körperliche wie auch geistige Fitness fördert, sollten Zwerggeckos mit Lebendfutter gefüttert werden. Auf dem Speiseplan stehen unter anderem:

  • Heimchen
  • Bohnenkäfer
  • Wachsmotten
  • Heuschrecken

Krabbelnde wie auch fliegende Beute ist willkommen. Auf Grund der minimalen Größe der Zwerggeckos sollten die Futtertiere selbst nicht größer als 1 cm sein. Es genügt ein Turnus von 2 bis 3 Mal pro Woche, sonst werden die Geckos zu schnell fett. Die Fütterung selbst sollte zudem möglichst überwacht werden. Bekommt jedes Tier ausreichend Nahrung? Gibt es Verhaltensauffälligkeiten, die auf Erkrankungen hindeuten? So ein kurzer, regelmäßiger Gesundheitscheck beim Zwerggecko kann nie schaden.

Bei Bedarf an Nahrungsergänzungsmitteln können die Futtertiere zudem mit Vitaminpräparaten besprüht werden, wahlweise mit Kalzium. Wichtig ist außerdem eine abwechslungsreiche Ernährung sowie täglich frisch bereit gestelltes Trinkwasser, beispielsweise in einer flachen Schale.

Nicht zu vergessen ist darüber hinaus der Obstanteil:

  • überreife Bananen
  • Fruchtnektar
  • Obstbrei und Mus
  • Maracuja
  • Pfirsiche

Bei Fertigprodukten ist unbedingt auf zuckerfreie Inhaltsstoffe zu achten. Wer sich unsicher ist, kann aber auch direkt beim Zoofachgeschäft des Vertrauens nachfragen.

Zwerggeckos vergesellschaften

Da die Zwerggeckos nun so klein und friedfertig sind, kommt es vielen Anfängern in den Sinn, sie mit anderen Reptilien vergesellschaften zu wollen. Was beim Aquarium in gewissem Maße funktionieren mag, sollte beim Terrarium vermieden werden: Die Vergesellschaftung verschiedener Arten.

Zum einen werden Zwerggeckos von zahlreichen größeren Echsen und Schlangen als Beute gesehen und kurzerhand vertilgt. Zum anderen haben die Geckos selbst ein ausgeprägtes Revierverhalten. Eingepfercht im Terrarium stößt die artgerechte Haltung schnell an ihre Grenzen. Und der Stress würde die Gesundheit der Tiere maßgeblich gefährden.

Wer sich also verschiedene Tierarten halten möchte, sollte ein zweites Terrarium in Betracht ziehen. Auch die Umgestaltung der Ausstattung ist meist unnötig und bewirkt ebenfalls unnötigen Stress. Haben sich die Zwerggeckos einmal eingelebt, mögen sie keine Änderungen im Revier. Ausnahme: Es fehlte bislang an Rückzugsmöglichkeiten oder die Gestaltung war nicht optimal.

Ohnehin bieten die farbenfrohen Echsen per se eine wunderbare Ansicht, die sich jeden Tag aufs Neue bestaunen lässt. Ihre Schuppen glänzen je nach Lichteinstrahlung in verschiedenen Facetten und spätestens bei der Fütterung kommt Leben ins Terrarium. Mit Hingabe und Geduld können Terraristik-Einsteiger eine Menge von den kleinen Zwerggeckos lernen und haben schnell selbst eine ansprechende Gesellschaft gefunden.
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