Kornnatter – Haltung und Fütterung der Schlange

Kornnatter im Terrarium

Foto: KAMONRAT – Shutterstock

Ruhig, unkompliziert, genügsam – und vor allem nicht giftig. Also wenn das nicht nach dem perfekten Mitbewohner klingt. Gemeint ist die Kornnatter, die sich tatsächlich unentwegt großer Beliebtheit als Haustier erfreut. Terrarien-Kenner wissen ihre einfach Haltung zu schätzen, noch mehr aber ihre Farbenvielfalt, die sich in nun wenigen Jahrzehnten der Zucht prächtig entwickelt hat. In ihrer Heimat, in Nordamerika, gilt sie als friedlicher Kulturfolger, und findet als solcher in der Nähe der Menschen ausreichend Futter und Akzeptanz. Hierzulande trifft man die Kornnatter hauptsächlich in Terrarien an, und zwar sowohl bei Anfängern als auch bei versierten Liebhabern der Spezies. Kaum eine andere Würge- und Kletterschlange scheint so häufig als Mitbewohner in Frage zu kommen, wie die Kornnatter.

Wissenswertes über die Kornnatter

Ihren Namen verdankt die Kornnatter der Kategorisierung als Kulturfolger. Sie lebt sehr oft in landwirtschaftlich bestellten Maisfeldern, nistet sich in Kornspeichern ein und ihre Färbung sieht darüber hinaus dem Indianermais (engl. Indian Corn) sehr ähnlich.

Die ursprüngliche, wissenschaftliche Bezeichnung Pantherophis guttatus bezieht sich ebenfalls auf ihre Färbung. Übersetzt bedeutet dies so viel wie “gesprenkelte Leoparden-Schlange“.

Hinsichtlich der Systematik zählt die Kornnatter zur Gattung der amerikanischen Kletternattern und im weiteren Sinne zur Überfamilie der Nattern- und Viperartigen. Mit anderen Worten, es handelt sich um eine ungiftige Würgeschlange.

Steckbrief der Kornnatter

  • Herkunft: Nordamerika, speziell Ostküste zwischen dem Bundesstaat New York und den Florida Keys sowie in Mississippi, Louisiana und Tennessee
  • Körperlänge: Ø 120 bis 150 cm, selten über 180 cm
  • Gewicht: je nach Alter und Ernährungszustand 200 bis 800 g
  • Alter: bis zu 20 Jahre und mehr
  • Lebensweise: überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, ca. 4-monatige Winterruhe
  • Nahrung: kleine Säugetiere, Amphibien, Reptilien, Vögel, Eier
  • Färbungen: Grundfarbe matt-grau bis intensiv braun-orange; Sattelflecken orange bis rötlich-braun; Bauchseite mit typischem Schachbrettmuster; an der Kopfoberseite variables Ornament; Zuchtlinien weisen Vielzahl an Varianten auf

Kornnatter Steckbrief

Foto: Matt Jeppson – Shutterstock


Schwierig wird es bei der Kornnatter nur wenn es um die Geschlechtsbestimmung geht. Denn diese ist – zumindest rein äußerlich – bei Jungtieren fast gar nicht zu differenzieren, bei adulten Tieren nur bedingt an Hand einer sich langsamer verjüngenden Schwanzpartie sowie einer geringeren Anzahl an Subcaudalia (vergrößerte Hornschuppen an der Unterseite des Schwanzes). Beides lässt sich nur im direkten Vergleich zwischen Männchen und Weibchen erkennen. Ein Tierarzt kann mittels Sondieren oder Blutanalyse hierbei deutlich besser für Aufklärung sorgen.

Verhalten und Besonderheiten in der Natur

Kornnattern sind grundsätzlich sehr gute Kletterer. Dazu sind ihre Bauchschuppen an den seitlichen Rändern nach oben geformt, so dass sie fast über die gesamte Auflagefläche der Schlange hinweg optimalen Halt bieten.

Entsprechend schnell können sich die Nattern auf den unterschiedlichsten Böden fort bewegen (sogar im Wasser) und sind nicht zuletzt deswegen bemerkenswerte Jäger. Ihre Beute besteht nicht nur aus wehrlosen Jungtieren, sondern auch aus nicht minder flinken Exemplaren.

Dennoch gilt die Natter als Fluchttier. Sie zieht sich lieber zurück als Verletzungen zu riskieren. Wird sie allerdings direkt bedroht, richtet sie sich in der typischen Abwehrhaltung einer Schlange auf und kann blitzartig mit Abwehrbissen attackieren. Diese sind allerdings nicht giftig.

Zur Jagd kommt die Lauer-Taktik zum Einsatz. Entweder wartet die Schlange, bis sich ein Beutetier in ihre Nähe begibt oder aber sie schleicht sich heimlich heran. Ihr ausgesprochen guter Geruchssinn kommt ihr dabei zu Hilfe. Über die gespaltene Zunge kann die Schlange nicht nur ihre Beute aufspüren, sie dient auch zugleich der räumlichen Orientierung.

Nicht selten verschlägt es die Kornnatter somit auf Bäume, wo sie aus Vogelnestern Eier und Jungtiere erbeutet. Getötet wird durch Erwürgen. Dazu wird die Beute festgebissen, während sich der Schlangenkörper mehrmals und immer fester um das Opfer schlingt, bis schließlich dessen inneren Organe nachgeben. Als Besonderheit gilt dabei zum einen der überraschend muskulöse Körper der Schlange und zum anderen der extrem flexible Kiefer, wodurch die Beute im Ganzen verschlungen werden kann.

Gejagt wird im Alleingang. Auch sonst sind Kornnatter nicht unbedingt sozial gebunden. Für gewöhnlich sind sie Einzelgänger, die sich nur zur Paarung zusammenfinden. Bereits mit der Eiablage ist der Nachwuchs auf sich gestellt. Revierkämpfe werden eher selten geführt und enden meistens nach einem Ringen ohne ernsthafte Verletzungen. Zur Winterruhe versammeln sich jedoch oft mehrere dutzend Exemplare in geeigneten Verstecken, wo sie gemeinsam überwintern.

Die Kornnatter im Terrarium

Anders als die frei lebenden Artgenossen, ist die domestizierte Kornnatter nicht zur Jagd bemächtigt. Nicht weil sie nicht wollte oder könnte, sondern weil nach gültigem Gesetz das Töten und lebend Füttern von Wirbeltieren grundsätzlich verboten ist. Zum Glück ist die Natter aber so genügsam, dass sie sich auch mit aufgetautem Frostfutter zufrieden gibt und auf sportliche Jagd-Einlagen verzichten kann.

Auch sonst stellt die Kornnatter keine übermäßigen Ansprüche an ihre Haltung. Nichtsdestotrotz sollte diese natürlich möglichst artgerecht gestaltet sein und der Schlange sämtliche Bedürfnisse erfüllen, die sie für ein gesundes, zufriedenes Leben hat.

Terrarien für Kornnattern

In der Wohnung zieht die Kornnatter in ein Terrarium aus Holz und/ oder Glas ein, welches eine ausreichende Luftzirkulation gewährleistet. Als Standort ist ein geschützter Bereich zu wählen, fernab von Zugluft, direkter Sonneneinstrahlung, Lärm und Erschütterungen. Feste Rück- und Seitenwände, beispielsweise aus Holz oder Kork, bieten den besten Schutz. Für ausreichend Tageslicht und selbstverständlich ebenso zum Bewundern und Begutachten der Schlange, empfiehlt sich eine Glasfront.

Terrarien können in sehr unterschiedlichen Größen erworben werden, je nach Art und Anzahl der Bewohner. Für eine einzelne Kornnatter sollten mindestens 130 x 70 x 130 cm (LxHxT) zur Verfügung stehen. Als Faustregel gilt häufig:

Körperlänge in cm * (1 x 0,5 x 1) = Länge x Höhe x Tiefe in cm

Diese Formel errechnet wohlgemerkt nur ein Mindestmaß. Auch Schlangen sind neugierig, erkunden gerne ihre Umgebung und drehen mal eine Runde im Carré. Zudem ist die Paar- und Gruppenhaltung bei Kornnattern möglich, muss aber selbstverständlich bei der Terrarium-Größe entsprechend berücksichtigt werden.

Das Kornnatter-Terrarium benötigt als Grundausstattung folgende Technik:

  • Wärmestrahler mit UV-Anteil für eine Erwärmung auf ca. 25 bis 30° C (10- 12 Stunden tagsüber)
  • Spots, lokale Bodenheizung, Heizplatten oder beheizbare Steine zum “Sonnen“ (tagsüber)
  • Gegebenenfalls Kühlsysteme für die Kühlung auf 20°C (nachts) bzw. zur Winterruhe
  • Thermometer und Hygrometer an mindestens zwei Standorten, sowie Zeitschaltuhren
  • Luftbefeuchter oder wenigstens eine Sprühflasche zur manuellen Befeuchtung auf ca. 50 – 60 % Luftfeuchte (Die Tiere nie direkt besprühen!)


Die Einrichtung des Terrariums muss in erster Linie genügend Rückzugsmöglichkeiten und Verstecke bieten, die nicht direkt beheizt beziehungsweise bestrahlt werden. Dies können zum Beispiel Felsimitate sein, echte Steine und Platten, Wurzeln, Korkröhren und diverse Höhlen. Nicht zu vergessen ist eine Wetbox, in der sich die Tiere bei erhöhter Luftfeuchte besser häuten können. Unterstützt wird die Häutung zudem von rauen Oberflächen. Da die Nattern gerne klettern, bietet sich hierfür ein Aufbau über mehrere Ebenen an. Steigen aus Holz, Lianen oder herabhängende Wurzeln sowie starke Taue verbinden die verschiedenen Abschnitte.

Terrarien-Pflanzen sind nicht zwingend erforderlich, schmücken den kleinen Lebensraum aber dekorativ auf und bieten weitere Versteckmöglichkeiten. Die Nattern werden die Pflanzen weder anknabbern noch ausreißen, hier besteht also kein Widerspruch. Wichtig ist lediglich auf einen angemessenen Boden zu achten, der die Pflanzen nährt (wenn es sich nicht gerade um Kunstpflanzen handelt), parallel aber auch Schlangen-freundlich ist. Trockene Substrate wie Rindenmulch, Kokossubstrat und feinkörniges Borkenstreu haben sich gut bewährt sowie gepresste Terrarien-Erde.

Weiterhin sollte ein Wasserbecken zur Verfügung stehen, sowohl zum Trinken als auch zum gelegentlichen Baden und Abkühlen. Normalerweise halten sich Kornnattern nicht gerne im Wasser auf, obgleich sie gute Schwimmer sind. Zum Trinken bevorzugen sie aber größere, flache Becken anstelle einer kleinen Trinkwasserschale. Frischwasser muss täglich, auch in der Winterruhe, bereit stehen und sauber gehalten werden.

Da die Geschlechterbestimmung immer etwas vage ist, empfiehlt es sich bei Haltung mehrerer Tiere einen Eiablageplatz anzubieten, um eine eventuelle Legenot zu vermeiden. Ein separates Behältnis mit leicht feuchtem Substrat, dass jederzeit zugänglich ist, genügt.

Ernährung, Fütterung und Fasten

Kornnatter Ernährung

Foto: Enrique Ramos – Shutterstock

Wie schon erwähnt, werden Kornnattern im Terrarium nicht jagen. Der Futterplatz kann, aber muss nicht, immer derselbe sein, um wenigstens etwas Abwechslung in den Alltag zu bringen. Eine gesunde, ausgewachsene Kornnatter wird in der Regel alle 2 bis 3 Wochen gefüttert, bei Jungtieren empfiehlt sich ein 1-wöchentliches Intervall. Dass Kornnatter überwiegend nacht- und dämmerungsaktiv sind, sollte natürlich bei der Fütterungszeit berücksichtigt werden. Tagsüber und bei heißen Temperaturen wäre das wechselwarme Gemüt viel zu träge und dementsprechend auch die Verdauung, was wiederum zu gesundheitlichen Problemen führen könnte.

Ist Beute verfügbar, wird die Natter diese ohne Zögern gierig verschlingen. Danach benötigt sie viel Wasser und noch mehr Ruhe, um gründlich zu verdauen. Daraus ergibt sich ein bestimmter Rhythmus.

Auf dem Speiseplan können beispielsweise ganz klassisch Frostmäuse stehen. Diese werden aufgetaut und in etwa auf Körpertemperatur erwärmt (ca. 35 bis 40°C). Nach dem gleichen Prinzip können Küken, Hamster, Frösche, Fische und andere Kleintiere verfüttert werden. Die Größe der Beute sollte sich dabei nach der der Schlange richten. Eier können problemlos roh gefüttert werden – Salmonellen gehören ohnehin zur natürlichen Darmflora der Kornnatter.

Wer mehrere Kornnatter hält, sollte die Fütterung genau überwachen oder die Tiere gegebenenfalls kurzzeitig trennen, bis jeder seinen Teil abbekommen hat. Bei der Fütterung selbst darf aber nicht gestört werden, sonst ergreifen die Tiere womöglich die Flucht und verpassen ihre Chance satt zu werden.

Die Beutetiere können zudem mit Vitaminen präparierten werden sowie bei Bedarf mit Medikamenten. Dadurch lässt sich der Gesundheitszustand der Natter sehr gut regulieren.

Winterruhe im Terrarium

Ebenfalls unerlässlich für die Gesundheit der Kornnatter ist die Winterruhe. Mehrere Exemplare ziehen sich dazu auch gerne in ein Versteck zurück und verbringen die bis zu 4 Monaten andauernde Ruhezeit gemeinsam. Während dieser Phase nehmen die Tiere keine Nahrung auf. Frisches Trinkwasser ist aber weiterhin essentiell.

Eingeläutet“ wird die Winterruhe im Terrarium über die Temperatur- und Beleuchtungsanlage. Dabei wird der saisonale Wechsel simuliert, sprich die Tage respektive Beleuchtungszeiten werden kürzer, die Temperaturen sinken auf etwa 10°C und das Futter wird seltener bis es schließlich ganz ausbleibt. All diese Faktoren sollten gut aufeinander abgestimmt sein, um möglich natürlich zu wirken. Kornnattern nehmen diesen vermeintlichen Jahreswechsel im Terrarium normalerweise sehr gut an.

Die Ruhephase ist wichtig zum Regenerieren und Vitalisieren. Indem der ganze Kreislauf runter fährt, kann der Körper entgiften und sich erholen. Wird die Winterruhe verwehrt, verkürzt sich die Lebenserwartung auffällig, nicht minder leidet der allgemeine Gesundheitszustand. Daher ist diese jährliche Phase äußerst wichtig und sollte demzufolge auch im Interesse der Kornnatter-Liebhaber liegen.

Pflegetipps für die Kornnatter

Kornnattern sind wahrlich pflegeleicht. Ist die Technik einmal abgestimmt und automatisiert, muss im Prinzip nur hin und wieder gefüttert und ebenfalls nur gelegentlich gereinigt werden. Wer selten frisst, scheidet entsprechend selten aus. Kornnattern verwerten ihre Nahrung sehr gut, eben um damit lange auszukommen.

Im Umkehrschluss sind für den Halter nur bei Bedarf die Hinterlassenschaften zu entfernen, insbesondere die Häute aus der Wetbox. Das Trinkwasser muss sauber sein sowie die Technik und Ausstattung in gutem Zustand.

Ansonsten “pflegt“ sich eine Kornnatter selbst. Durch Reiben an rauen Oberflächen regt sie zum Beispiel ihre Häutung an. Nur ganz selten und bei Bedarf muss nachgeholfen werden. Die Zähne bilden sich zum Beispiel bei Verlust sogar wieder nach.

Grundsätzlich gelten Verhaltensauffälligkeiten oder Unregelmäßigkeiten bei der Selbstpflege der Natter als Hinweise auf Gesundheitsprobleme und sind daher als solche genauer zu beobachten. Liegt die Natter länger als üblich im Wasser, stimmt womöglich die Luftfeuchte nicht oder es ist zu heiß im Terrarium. Verweigert sie das Futter, hat sie eventuell eine Verdauungsstörung oder ist anderweitig krank. Häufig treten zudem Hautmilben und Schleimhautveränderungen auf.

Bei Verdacht lässt sich sowohl die abgeworfene Haut als auch der Kot auf Parasiten untersuchen. Dazu werden Proben ans Labor geschickt und dort genauer unter die Lupe genommen. Mitunter ist der Weg zum Tierarzt nötig, beispielsweise bei Hautentzündungen. Ein geeignetes Transportgefäß muss dazu im Zweifelsfall immer zur Hand sein.

Mit der Erfahrung kommt parallel die geübtere Reaktion bei Problemen oder Pflegefragen. Züchter, Verbände und Tierschutzorganisatoren helfen notfalls mit Rat und Tat weiter. Ist der Halter allerdings im Urlaub oder sonst wie abhanden, sollte ersatzweise eine Vertrauensperson mit der vorübergehenden Pflege der Nattern beauftragt sein. Jemand, der zumindest die Frischwasserversorgung sowie die Kontrolle der technischen Einstellungen übernimmt.

Den Kornnattern selbst wird der Unterschied kaum auffallen, sie sind weder besonders menschenbezogen noch scheu. Mit etwas Geduld lassen sie sich problemlos anfassen und auch mal hochnehmen. Sie werden jedoch nie nach Streicheleinheiten betteln oder Kunststücke vollführen. Eher beißen sie noch als Abwehrreaktion. Für tendenziell aggressive Exemplare lohnt sich daher das Tragen spezieller Handschuhe oder ein Schlangenhaken, um die Tiere zu bewegen.

Wer doch einmal gebissen wird, den erwarten keine höllische Schmerzen oder dergleichen. Der Schreck über die blitzartige Bewegung ist meist größer. Die Schlangen lassen sofort wieder los, hinterlassen höchsten einen winzig perforierten Zahnabdruck, der auch mal leicht bluten oder sich im schlimmsten Fall entzünden kann. Vorsichtshalber sind daher immer die Hände vor und nach dem Handling im Terrarium zu waschen – zum Wohle des Halters und der Kornnatter. Schließlich wollen beide noch lange Zeit Freude aneinander haben.
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