Kaninchen mit anderen Haustieren zusammen halten – geht das (gut) ?

Kaninchen Haltung

Foto: Robirensi – Shutterstock

Wenn die Tierliebe nicht beim Kaninchen aufhört, sondern auch weitere Haustiere in der Wohnung oder im Haus mit leben sollen, stellt sich häufig die Frage, ob sich die verschiedenen Spezies denn überhaupt vertragen werden. Eventuell muss nur eine vorübergehende Lösung her, womöglich soll aber dauerhaft die Familie um neue Mitglieder erweitert werden. Kaninchen-Halter wissen natürlich, dass ihre Lieblinge am liebsten mit Artgenossen zusammen leben. Doch wie sieht es mit Meerschweinchen, Katzen oder gar Hunden aus? Was Besitzer tun können, um Kaninchen mit anderen Haustieren zusammen zu halten, wie sich Kommunikationsbarrieren überwinden lassen und worauf bei der Vergesellschaftung von Kaninchen geachtet werden muss, klärt unser folgender Beitrag.

Das Kaninchen in der Gesellschaft

Kaninchen zählen zur Gattung der Hasenartigen. Innerhalb dieser Gattung werden diverse Wildformen und Zuchtformen klassifiziert. Allen gemeinsam ist jedoch ein arttypisches Verhalten sowie spezifische Körpermerkmale, woraus sich für Kaninchenbesitzer eine Reihe Notwendigkeiten ergeben, um die Tiere möglichst artgerecht zu halten.

Im Vordergrund stehen dabei:

  • Die Ernährung: Futter in Form von frischem Gemüse, Knabbersnacks sowie Leckerli müssen den Bedürfnissen der Kaninchen angepasst werden.
  • Der Platzbedarf: Kaninchen hoppeln, buddeln und scharren sehr gerne. Parallel benötigen sie ausreichend Rückzugsmöglichkeiten zum Schlafen und Ruhen.
  • Die Pflege: Raue, feste Naturmaterialien, um die Zähne und Krallen zu pflegen sowie ein Sandbad für die Fellpflege, sollten den Kaninchen regelmäßig zur Verfügung stehen.
  • Der Bewegungsdrang: Beschäftigungsmöglichkeiten, Kaninchen-Spiele aber auch die Möglichkeit zum Nester bauen, gehören zum Tagesangebot für die kleinen Vierbeiner.
  • Die Gesundheit: Kaninchen stellen gewisse Ansprüche an ihre Gesundheit, müssen vor Nässe, Kälte, trockener Heizungsluft, Durchzug sowie direkter Sonneneinstrahlung beziehungsweise im Außengehege winterfest geschützt sein.

Weiterhin gilt für Kaninchen die Paar- und Gruppenhaltung. Um ein wirklich stabiles Sozialverhalten zu entwickeln, gibt es keinen besseren Halt als den der Artgenossen. In der Gruppe lernen und leben Kaninchen gegenseitige Nähe, Schutz, Pflege, aber auch Konflikte.

So verhalten sich Kaninchen gegenüber Artgenossen

Kaninchen haben eine ganz eigene Form der Kommunikation, die in vielen, wenn auch nicht allen, Belangen den Hasen ähnelt. So zum Beispiel das berühmte Klopfen mit den Hinterpfoten, um Artgenossen vor Gefahr zu warnen.

Auch sonst nimmt die Körpersprache bei den Tieren einen hohen Stellenwert ein. Neugierig wird sich auf die Hinterbeine gestellt, entspannt gekaut und Fellpflege betrieben, scheu die Ohren angelegt oder panisch die Flucht ergriffen.

Konflikte tragen Kaninchen untereinander eher selten aus. Meist genügt eine Verwarnung oder kurzes Beiseite-Schubsen, um die Hierarchie zu klären. Die Zähne und Krallen kommen nur im Extremfall zum Einsatz, können jedoch zu argen Verletzungen führen, insbesondere wenn Augen und andere empfindliche Stellen in Mitleidenschaft gezogen werden.

Generell gelten Kaninchen jedoch als friedfertig und harmlos. In erster Linie sind sie Fluchttiere, die Konfrontationen lieber meiden. Allerdings haben sie als Gruppe ein starkes Revierverhalten. Auffällig wird dies besonders bei paarungswilligen Exemplaren oder wenn Nachwuchs dazu kommt. Eindringlinge, explizit artfremde Tiere, werden vehement abgewehrt und vertrieben. Da verstehen die vermeintlich kuscheligen Gesellen keinen Spaß.

Es stellt sich also die Frage, warum Kaninchen überhaupt mit anderen Tieren zusammen gehalten werden sollten.

Wenn das Kaninchen nicht mehr zu den Kaninchen will

Kaninchen

Foto: TigerStock’s – Shutterstock

In wenigen Ausnahmefällen werden einzelne Tiere von der Gruppe isoliert. Dabei gilt es zunächst zu klären, ob gesundheitliche Ursachen vorliegen, eine Verhaltensstörungen oder mangelhafte Haltungsbedingungen, die das Leben im Kaninchenstall derart zum Stress ausarten lassen, dass die Tiere aggressiv werden, sich apathisch zurück ziehen oder gar sich selbst verletzen.

Ausgestoßene Kaninchen leiden extrem unter der Isolation, stellt die Gemeinschaft doch eigentlich das A und O dar. Ist das Verhalten bereits derart gestört, dass jegliche Versuche der Integration zurück in die bisherige oder wahlweise eine neue Gruppe scheitern, empfiehlt es sich tatsächlich das Kaninchen mit artfremden Haustieren zu vergesellschaften. Der Mensch allein genügt als Ersatz leider nicht. Vor allem weil dieser nur zeitweise vor Ort ist, weder mit im Gehege schläft noch den ganzen Tag dort verbringt.

Kaninchen mit anderen Haustieren zusammen halten

Nun kommt es aber auch häufig vor, dass der versierte Haustierhalter nicht nur Kaninchen liebt, sondern auch andere Tierarten. Schnell finden sich unter einem Dach ganze Horden zusammen, die irgendwie miteinander auskommen müssen.

Trotzdem und gerade weil so unterschiedliche Charaktere aufeinanderstoßen, benötigt jeder seine eigene kleine Welt, in der er artgerecht und gesund leben kann.
Streifenhörnchenfutter

Kaninchen und Meerschweinchen

Für die bereits erwähnten Ausnahmefälle der ausgestoßenen Kaninchen werden in der Regel Meerschweinchen als Artgenossen-Ersatz hinzugezogen. Nun haben die beiden Spezies allerdings wenig gemein, obwohl sie auf den ersten Blick zueinander passen könnten. Sie sind in etwa gleich groß, ernähren sich pflanzlich, knabbern gerne und haben ein streichzartes Fell.

Ganz so einfach ist es aber dann doch nicht. Kaninchen sind im systematisch Sinne Hasen. Meerschweinchen wiederum Nager. Kaninchen kommunizieren wie schon erwähnt überwiegend mittels Körpersprache, Meerschweinchen nutzen Laute zur Verständigung. Und schon entstehen die ersten Missverständnisse – und Konflikte. Hinzu kommt das jeweils typische Revierverhalten beider Arten und die damit verbundene Abneigung gegen fremdartige Eindringlinge.

Wer dennoch Kaninchen und Meerschweinchen zusammen halten möchte, sollte daher ein paar wichtige Tipps beachten:

  • Pro Spezies müssen mindestens zwei Tiere gehalten werden, um den sozialen Bezug zu Artgenossen sicher zustellen. Isolierte Kaninchen können im „Beisein“ von zwei Meerschweinchen gegebenenfalls auch glücklich sein, werden jedoch höchstwahrscheinlich keine tiefere Beziehung eingehen. Das Ganze mutet eher einer WG an: Die jeweiligen Gruppen leben nebeneinander her und teilen hin und wieder gemeinschaftliche Interessen, wie die Futterschale zu plündern.
  • Bei der Haltung von Kaninchen und Meerschweinchen in einem Gehege wird entsprechend mehr Platz benötigt, so dass jeder ausreichend Rückzugsmöglichkeiten zur Verfügung hat. Kaninchen bevorzugen etwas höher gelegene Höhlen, wo sie von den Meerschweinchen nicht gestört werden. Diese wiederum brauchen Häuschen mit einem schmalen Eingang, damit die Kaninchen gar nicht erst hinein schauen können.
  • Im Idealfall werden separate Bereiche für jede Tierart angeboten. Trennwände, Höhenunterschiede und Tunnel können als Begrenzung dienen. Noch besser wäre ein jeweils eigenes Gehege pro Spezies. Also eines für die Kaninchen und ein weiteres für die Meerschweinchen.

Ohne eindeutige Trennung kann es bei Meerschweinchen und Kaninchen zu starken Auseinandersetzungen kommen. Ursache sind häufig Missverständnisse in der Kommunikation. Während Kaninchen zum Beispiel auf Artgenossen mit geducktem Kopf und angelegten Ohren zum Zeichen der Unterwürfigkeit zu hoppeln, damit sie sich durch gegenseitiges Putzen verwöhnen, legt ein Meerschweinchen diese Haltung als aggressiv aus. Für ein Meerschweinchen signalisieren angelegte Ohren Feindseligkeit. Nun flüchten die Schweinchen aber nicht immer, sondern greifen im Sinne ihres Revier-Instinktes mitunter direkt an – und verlieren meistens den Kampf. Dies kann zwar glimpflich ausgehen, aber eben auch fatale Folgen haben. Mindestens jedoch sorgen die Kommunikationsbarrieren für Stress im Gehege.

Je umfangreicher der Platz sowie die Futter- und Beschäftigungsangebote sind, desto mehr lassen sich derartige Konfrontationen vermeiden. Jeder bedient sich an der eigenen Futterschale, hat sein Nest und seine Trinkwasser. Kaninchen-Spielzeug und Meerschweinchen-Spielzeug lässt sich schon eher mal teilen und gemeinsam nutzen, ebenso wie Naturmaterialien zum Nagen, Zähne feilen und Krallen schärfen. Denn da sind sich Kaninchen und Meerschweinchen einig: Ein bisschen Spaß und Spa muss ein.

Kaninchen und Hunde

Wenn Beutetier und Raubtier jedoch aufeinander treffen, herrscht für Gewöhnlich ein gewisser Interessenkonflikt vor. Hinzu kommt das völlig unterschiedliche Temperament: Auf der einen Seite der Hund als verspielter Jäger, auf der anderen Seite das Kaninchen mit Fluchtinstinkt und hohem Stress-Level. Beide Tierarten zusammen zu halten, stellt den Besitzer vor große Herausforderungen.

Im Idealfall gehen sich Hund und Kaninchen gekonnt aus dem Weg und tangieren sich nur hin und wieder beim Schnüffeln am Gehege-Gitter. Haben die Kaninchen einen begehbaren Stall oder gelegentlich Auslauf, sind Hunde lieber fern zu halten. Auch wenn der beste Freund des Menschen noch so brav und gut erzogen ist – ein heftiger Hieb mit der Pfote reicht schon, um das Kaninchen zu verletzen. Was für den Hund nur ein Spiel sein mag, kann für die kleinen Hasen in purem Stress ausarten und ihre Gesundheit sogar langfristig beeinträchtigen, beispielsweise in Form von Verhaltensauffälligkeiten oder Herzrhythmusstörungen.

Tatsächlich kommt es aber vor, dass beide Spezies harmonisch miteinander leben. Entscheidend dafür sind hauptsächlich Rasse, Größe und Alter des Hundes. Wachsen zum Beispiel alle Haustiere schon als Jungtiere gemeinsam auf, lernen sie von Beginn an, den anderen zu akzeptieren. Ist der Hund schon älter und es kommen Kaninchen ins Familienleben dazu, wird die Sache wieder schwieriger.

Zudem sollte der Hund keinen ausgeprägten Jagdtrieb haben. Dackel und Terrier haben zwar eine passende Größe, sind aber nun mal reine Jagdhunde. Hütehunde sowie Begleithunde dagegen haben sich zur Vergesellschaftung mit anderen Tierarten bislang am besten bewährt. Sie übernehmen eher die Rolle des Aufpassers denn des Spielkameraden. Manche Hundedamen “adoptieren“ sogar fremde Kleintiere und finden als Pflegemama ein erfülltes Dasein.

Dennoch sollte kein Kaninchen ohne Artgenossen gehalten werden, Hund hin oder her. Auch sollten die letztlich artfremden Tiere nur unter Aufsicht Kontakt haben, um als Halter rechtzeitig eingreifen zu können. Nicht immer provoziert der Hund einen Konflikt, auch Kaninchen testen ihre Grenzen, verteidigen diese und überraschen damit selbst unsereins.

Kaninchen und Katzen

Noch mehr Jäger als Hüter sind Katzen. Die vermeintlichen Samtpfoten schmusen und dösen zwar gerne, wirken dabei ganz harmlos, aber einem Kaninchen gegenüber ändert sich dieses Verhalten. Besonders junge Kaninchen gehören durchaus zum Beuteschema einer ausgewachsenen Katze.

Daher gilt auch hier: Sollen Kaninchen und Katze zusammen gehalten werden, bringt man die Tiere am besten im Alter von wenigen Wochen miteinander in Kontakt. So lernen sie die Kommunikation der anderen Spezies kennen und wie sie darauf reagieren können.

Adulte Tier tun sich deutlich schwerer, Neulinge im Revier zu akzeptieren. Missverständnisse in der Kommunikation kommen noch hinzu. Bei der Vergesellschaftung, wenn sie denn wirklich nötig ist, sollte daher behutsam und mit viel Geduld vorgegangen werden.

Das Temperament von Kaninchen und Katze gleicht sich allerdings schon eher, als vergleichsweise bei der Kombination mit Hunden. Haben sich alle erst einmal aneinander gewöhnt, leben sie meist nebeneinander her denn miteinander.

Tipps zur Haltung von Kaninchen mit anderen Haustieren

Zwergkaninchen

Foto: Africa Studio – Shutterstock


Bei der Vergesellschaftung von Kaninchen mit Meerschweinchen, Hunden und Katzen können durchaus dicke Freundschaften entstehen. Hierfür spielt oftmals der Charakter der einzelnen Tiere eine große Rolle sowie ob die Haltungsbedingungen ein jeweils artgerechtes Leben ermöglichen.

Womit die anfänglich erwähnten Haltungskriterien wieder in den Fokus rücken:

  • Die Ernährung: Artfremde Tiere werden getrennt gefüttert, auch wenn die Ernährung gleich oder ähnlich aufgebaut ist, selbst wenn der Speiseplan absolut identisch ist. Die Tiere müssen selbst entscheiden dürfen, ob sie ihr Revier teilen wollen und Gäste am Futternapf dulden oder lieber ihre Ruhe beim Fressen haben. Futterneid würde nur weitere Konflikte provozieren. Zudem lässt sich so für den Halter besser kontrollieren, wer was frisst, wie viel und wann.
  • Der Platzbedarf: Zu dem jeweiligen Platzbedarf pro Spezies beziehungsweise Gruppe, kommt der Platzanspruch an zusätzliche Fluchtwege und Rückzugsmöglichkeiten. Dies gilt hauptsächlich für die Vergesellschaftung mit Meerschweinchen. Katzen und Hunde bewegen sich ohnehin meist in der ganzen Wohnung, haben dafür aber im Außengehege nichts zu suchen, schon gar nicht unbeaufsichtigt.
  • Die Pflege: Pflegeangebote wie ein Sandbad lassen sich mitunter gut kombinieren, im Speziellen für Meerschweinchen und Kaninchen zur gemeinsamen Nutzung zur Verfügung stellen. Aber auch ein Kratzbaum, Buddelschalen und Ähnliches wird gerne von vielen Haustierarten genutzt. Im Prinzip wechseln sich die Tiere selbstständig ab und es kommt eher selten zu Auseinandersetzungen, wer denn gerade dran sei.
  • Der Bewegungsdrang: Gemeinsames Spielen unter Aufsicht beziehungsweise mit Beteiligung des Halters kann das Eis brechen und helfen, Kommunikationsbarrieren zu überwinden. Spezielles Kaninchenspielzeug ist garantiert auch für Meerschweinchen, Hund, Katze und Co. interessant.
  • Die Gesundheit: Sei es nun der Gesundheitscheck beim Kaninchen, beim Meerschweinchen, beim Hund oder der Katze: Die Tiere sind immer jeweils individuell zu betrachten. Medikamente können über getrennte Futtergaben optimal dosiert werden. Ein ganz genauer Blick gilt allerdings immer etwaigen Verletzungen und im besonderen Maße dem artgerechten Verhalten. Gerade bei Vergesellschaftungsversuchen steht nämlich genau dieses zur Debatte: Wollen die Kaninchen überhaupt fremdartige Mitbewohner akzeptieren? Siegt die Neugier über die Scheu? Oder treibt die Eifersucht einen Keil zwischen die Haustiere?

Als Halter muss hier wirklich darauf geachtet werden, sich allen Tieren gleichermaßen hingebungsvoll und intensiv zu widmen. Andernfalls ist es für alle Beteiligten besser, sich für eine Tierart zu entscheiden, und diese voll und ganz artgerecht zu halten.