HD bei Hunden – welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

HD bei Hunden Behandlung SymptomeVor allem groß-rassige Hunde haben ein erhöhtes Risiko an HD zu erkranken. HD: Das heißt Hüftdysplasie, eine Fehlentwicklung des Hüftgelenkes. Oder anders formuliert: Gelenkpfanne und Oberschenkelkopf passen nicht korrekt aufeinander. Die Tiere leiden unter Schmerzen bei jeder Bewegung und bedingt durch falsche Ernährung oder Belastung kann sich der Zustand sogar noch verschlimmern. Grundsätzlich ist HD – soweit sie denn erforscht ist – genetischen Ursprungs und nicht heilbar. Doch durch therapeutische Maßnahmen sowie Medikamente kann die Lebensqualität deutlich verbessert werden.

Wodurch entsteht eine Hüftdysplasie?

Die Wissenschaft geht aktuell davon aus, dass die Ursache für HD in der Genetik zu finden ist. Welcher Gendefekt genau dabei ausschlaggebend ist, konnte man bislang noch nicht ausreichend ermitteln. Fest steht jedoch, dass das Risiko für einen Hund deutlich erhöht ist, wenn die Eltern- und Geschwister-Tiere ebenfalls an Hüftdysplasie leiden.

Neben der Erbanlage beeinflussen ebenso Ernährung und artgerechte Haltung maßgeblich den Krankheitsverlauf. Da sich die Dysplasie hauptsächlich durch Instabilität des Hüftgelenkes zeigt sowie durch eine folgende arthritische Veränderung der Knochenstruktur, können die richtigen Behandlungsmethoden an dieser Stelle ansetzen und den Verschleiß zumindest hinauszögern beziehungsweise weitestgehend minimieren.

Welche Tiere sind von HD betroffen?

Die Hüftdysplasie galt einige Zeit als Alleinstellungsmerkmal für Züchtungen des Deutschen Schäferhundes. Durch die gewollt tiefer gestellte Hüfte als Zuchtziel hat sich HD als Gesundheitsrisiko gerade hier etabliert und wurde vor allem hier erstmals als Krankheit erkannt. Doch auch alle andere Hunderassen können betroffen sein, sowie einige Katzenarten.

Von Generation zu Generation wird die Fehlentwicklung weiter vererbt. In einigen Rassenständen beträgt das Vorkommen sogar bis zu 50 Prozent. Die Dunkelziffer bei Mischlingen lässt sich dagegen schwer einschätzen beziehungsweise einer der Rassen zuordnen. Gemessen an Häufigkeit und Ausprägung des Krankheitsbildes gelten jedoch große Hunderassen als besonders gefährdet.

HD bei Hunden

Durch sorgfältige Auslese bei der Zucht soll das HD-Risiko minimiert werden. Mittels solcher präventiven Maßnahmen kann dem Gendefekt am Besten zu Leibe gerückt werden. Sprich, Hunde, die eine Hüftdysplasie aufweisen, werden nicht weiter zur Zucht eingesetzt.

Im Gegenzug müssen natürlich auch die Hundehalter und potentiellen Käufer gezielt auf solche Problematiken achten und den Hund gegebenenfalls nicht kaufen oder wenigstens den Preis so stark reduzieren, dass sich der Züchter gezwungenermaßen um HD-Freiheit seiner Tiere bemühen muss.
Hüftdysplasie Noch ist dieses Ziel nicht bei allen Züchtern verinnerlicht. Zumindest nicht, solange die Nachfrage nach beispielsweise tiefer gestellten Hinterläufen als Zuchtziel mehr Geld einbringt und dem Exterieur mehr Wert beigemessen wird als der eigentlichen Gesundheit. Gerade folgende Rassen haben durch Vernachlässigung bei der Zucht und mangels Kontrollen einen hohen Anteil an HD-Erkrankten:

  • Deutscher Schäferhund
  • Golden Retriever
  • Berner Sennenhund
  • Boxer
  • Neufundländer
  • Labrador Retriever
  • Bernhardiner
  • English und Gordon Setter

Auffällig sind bei diesen Rassen ihre Einsatzgebiete. Hunde, die nur kurze Strecken laufen beziehungsweise kurze Distanzen mit hoher Geschwindigkeit, scheinen eher eine Hüftdysplasie zu entwickeln. Dagegen nahezu HD-frei sind beispielsweise Schlittenhunde wie der Husky, der auf lebenslange Leistungsfähigkeit gezüchtet wird.

Wer jedoch bereits einen Hund besitzt, der unter HD leidet, weiß, mit welchen Problemen der Vierbeiner zu kämpfen hat. Die Fehlbildung entwickelt sich in den ersten 15 Monaten. Im Laufe der Jahre verändert sie sich bis hin zur Arthrose. Die Abnutzung der Gelenke schreitet voran, es kommt zum Hinken, Lähmungen bis hin zur Verweigerung überhaupt noch aufzustehen.

Da nun aber Hunde regelmäßig raus müssen, wird jeder Spaziergang zur Herausforderung. Parallel hat jedes Tier ein anderes Schmerzempfinden. So geht eine leichte Fehlentwicklung bereits mit Hinken einher, während andere Hunde mit stark ausgeprägter HD eine eigene Lauf-Technik entwickelt haben, um Schmerzen zu vermeiden und sich dadurch kaum etwas anmerken lassen. In jedem Fall liegt es am Hundebesitzer, seinem Liebling zu helfen, so gut wie möglich.

HD bei Katzen

Oft unterschätzt wird die HD bei Katzen. Nicht nur die Zuchtkatzen sind betroffen, sondern ebenso Straßenkatzen, die sich womöglich aus frei gelassenen Zuchttieren gekreuzt und so das Risiko der Gelenkfehlbildung mehr oder weniger angeeignet haben.

Im Gegensatz zum Hund, geht eine Katze jedoch eher selten Gassi, sodass Laufschwierigkeiten oder Lahmen nicht auf Anhieb vom Besitzer erkannt werden. Daher sind die meisten Befunde für Katzen bereits im fortgeschrittenem Stadium.

Auch im Bereich der Katzen scheinen allerdings bestimmte Arten ein erhöhten Risiko für HD zu haben, betroffen sind zum Beispiel überwiegend Maine Coon und British Short Hair.
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Durch welche Symptome äußert sich HD?

Die Hüftdysplasie oder auch Hüftgelenkdysplasie genannt, tritt in der Regel beidseitig auf und kann verschiedene Schweregrade erreichen, die mit jeweils anderen Symptomen einhergehen und dementsprechend behandelt werden können.

Prinzipiell zeigt sich die Fehlentwicklung bereits im Welpenalter. Große Rassen wachsen zudem sehr schnell, wodurch die Gelenke zusätzlich belastet werden. In dieser Phase neigen die ohne hin noch ungeschickten Tiere zum „eiernden“ Gang. Insbesondere die Lockerheit der Hüftgelenke bereitet Probleme und führt zur Instabilität der Hüfte. Sie äußert sich außerdem durch Schmerzen, in erster Linie nach langem Liegen, wenn es ans Aufstehen geht und die Muskeln noch nicht warm und gedehnt sind.

Häufig wird zunächst eine Bewegungsunlust beobachtet. Katzen turnen weniger, vermeiden hohe Sprünge und klettern nur sehr vorsichtig. Bei starken Schmerzen vernachlässigen sie zudem die Fellpflege.

Hunde in ihrem Übereifer und Will-to-Pleasure neigen dazu, gerade beim Spielen ihren Schmerz vorübergehend zu unterdrücken. Manche jaulen auch auf bei einer Bewegung, die ihnen überraschend Schmerzen bereitet. Später zur Ruhephase stellen sich Lahmheit, Hinken und weitere Schmerzsymptome ein, beispielsweise auf dem Heimweg von der Spielwiese. Womöglich setzt sich der Hund öfter hin, verlangsamt das Tempo oder verweigert das Treppensteigen.

Als wichtigstes Symptom gilt die Veränderung des Ganges. Der Körper federt nicht mehr leicht dahin, sondern verkrampft eher in Erwartung des Schmerzes. Viele Tiere entwickeln darauf hin einen verkürzten Gang. Dadurch verhärten sich die Weichteilstrukturen (Sehnen, Muskeln), um die Instabilität auszugleichen. Eine Zeit lang mag die HD somit kaum noch auffallen. Innerlich verschleißen die Gelenke aber zunehmend. Es bildet sich unweigerlich eine Arthrose, die wiederum erneut zu Schmerzen führt und vor allem im hohen Alter bis hin zur Lahmheit der Hinterläufe fortschreiten kann.

Diagnose HD – So teste der Tierarzt

Die geschulten Augen des Veterinärmediziners erkennen anhand des Ganges bereits erste Anzeichen der Hüftdysplasie. Zur genauen Beurteilung wird das Gelenk belastet, gedehnt und auf Beweglichkeit geprüft.

Ein spezieller Test zur äußerlichen Untersuchung ist der Ortolani-Test. Dabei wird der Oberschenkel im rechten Winkel zur Wirbelsäule gelagert und vom Knie ausgehend unter starkem Druck zur Wirbelsäule geschoben. Liegt eine Hüftdysplasie vor, kommt es kurzzeitig zur Luxation oder Subluxation, sprich das Gelenk wird ausgekugelt. Da dies erhebliche Schmerzen verursacht, wird der Test vorzugsweise unter Narkose durchgeführt.

Eine andere Methode zur Diagnostik ist das Röntgen. Dies ist nicht nur weitaus zuverlässiger, sondern auch aufschlussreicher, vor allem in Hinsicht auf Beurteilung des Schweregrades. Auch hier kommt die Narkose zum Einsatz, denn für die Aufnahme muss das Gelenk überstreckt werden, was ebenfalls extreme Schmerze verursachen kann.

Auf Grundlage der Ergebnisse unterscheiden die Tierärzte zwischen 5 verschiedenen HD-Schweregraden:

  • A: Heißt HD-frei, sprich der Befund ist unauffällig und es besteht kein weiterer Behandlungsbedarf.
  • B: Steht für HD-Verdacht bei leichten Unregelmäßigkeiten und sollte wenigstens regelmäßig beobachtet und kontrolliert werden.
  • C: Wird als leichte HD eingestuft. Das Gelenk ist ungleichmäßig, eventuell liegt eine leichte Arthrose vor.
  • D: Wird als mittlere HD eingestuft. Die Fehlentwicklung ist deutlich erkennbar und geht mit Teilverrenkungen einher. Arthrotische Veränderungen liegen bereits vor.
  • E: Gilt als die schwere Form der HD. Das Hüftgelenk zeigt auffällige Veränderungen, der Pfannenrand ist deutlich abgeflacht und diverse arthrotische Veränderungen vorhanden.

Zum Teil werden die Klassifizierungen noch einmal in Unterkategorien eingeteilt, um die Diagnose genauer zu spezifizieren.

HD-Freiheit zur Zuchtzulassung

HüftgelenksdysplasieZunehmend verlangen Zuchtvereine eine Prüfung des HD-Grades für Hunde und Katzen, die zur Zucht zugelassen werden sollen. Parallel stellt der Züchter dem Käufer einen Tierpass aus. Darin enthalten sind wesentliche Informationen zu Impfungen, Chip-Nummer, Herkunft und eben welcher HD-Grad vom Tierarzt ermittelt wurde. Zum Teil obliegt es jedoch dem Käufer gezielt einen solchen Nachweis zu verlangen.

Theoretisch widerspricht eine Züchtung mit HD-belasteten Tieren dem Tierschutz. Dennoch sind für viele Rassen Schweregrade bis C als zuchttauglich zugelassen. Selten berücksichtigt werden dabei die Befunde der Elterntiere, deren Erbgut jedoch ebenfalls weiter getragen wird.

Behandlungsmöglichkeiten bei HD

Eine HD lässt sich unabhängig von der Zucht nicht wirklich verhindern, jedoch durch entsprechende Maßnahmen erheblich minimieren. Allen voran spielt die Ernährung eine wesentliche Rolle. Welpen und Jungtiere, die zu schnell zunehmen, erkranken zum Beispiel häufiger an schwerer HD.

Ernährung für HD-kranke Hunde

Grundsätzlich stellt natürlich die Muttermilch den besten Start ins Leben dar und sollte möglichst lange ausgekostet werden dürfen. Mit der Zufütterung beginnt dann die Aufgabe des Züchters beziehungsweise des Besitzers, seinem geliebten Vierbeiner möglichst gelenkschonend und -unterstützend zu ernähren.

Kalzium begünstigt nachweislich die Fehlentwicklung und ist daher dem Futter nicht beizumengen. Vitamine und Spurenelemente dagegen fördern zwar allgemein die Gesundheit von Hund und Katze, können aber die Hüftdysplasie nicht wirklich nachweislich positiv beeinflussen. Die Zufütterung von Glukosaminsulfat kann gegebenenfalls die Schmerzen etwas lindern.

Hunde Diät Parallel kursieren eine Menge Geheimrezepte sowie Futterzusätze, die den Wachstum der Gelenke unterstützen sollen beziehungsweise Gelenkerkrankungen wie Arthrose eventuell lindern können. Zu den bekanntesten Präparaten gehören unter anderem:
Grünlippmuscheln enthalten besagte Glukosaminsulfate und dienen zum Aufbau der Knorpelmasse
Fischöl und Leinöl mit hohem Anteil an Omega-3-Fettsäuren sollen entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken Brennnesseln wirken Wassereinlagerungen entgegen und entgiften
Getreidefreies Futter sollte als artgerechte Ernährung bevorzugt werden, zumal Gluten die Entzündungen im Körper weiter anheizen würde
Manche schwören auf Teufelskralle gegen Arthrose. Sie kommt ebenfalls bei Großtieren, wie Pferden zum Einsatz.


Leider ist allein durch die Ernährung die Hüftgelenkdysplasie nicht aufzuhalten. Ein gesundes Körpergewicht sowie ein allgemein gesundheitlich guter Zustand ermöglichen jedoch dem Vierbeiner ein weitestgehend schönes Leben, in dem er sich wohlfühlen kann.

Artgerechte Haltung mit besonderer Rücksicht auf die Gelenke

Entscheidender für HD-belastete Hunde sowie Katzen ist die artgerechte Haltung mit besonderem Augenmerk auf Belastungen, denen die Gelenke, vorrangig die Hüftgelenke, ausgesetzt sind. Daher gilt:

  • Übergewicht vermeiden
  • regelmäßig bewegen ohne große Belastungen (keine Sprünge, lieber entspannte Spaziergänge)
  • Stauchungen, große Anstrengungen, Kunststücke etc. müssen nicht sein
  • Vorsicht beim Schwimmen, hier strengen Hunde ihre Hinterläufe besonders an, wodurch sich diese weiter abnutzen
  • Treppen sollten gemieden werden
  • Der Einstieg in den Kofferraum kann zum Beispiel durch eine Hunderampe gelöst werden
  • Gegebenenfalls bei der Fellpflege unterstützen, bevor sich das Tier unnötig verrenkt
  • Orthopädische Schlafplätze anbieten, die im Liegen die Gelenke entlasten

Medikamentöse und operative Behandlungsmöglichkeiten

Neben den vielen Maßnahmen, die seitens der Besitzer ergriffen werden können, sind womöglich weiterführende Therapien nötig, um zumindest die Schmerzen, Entzündungen und Verformungen zu eliminieren beziehungsweise stagnieren zu lassen.

Ein breites Spektrum an Antibiotika sowie Schmerzmitteln kann durch entzündungshemmende Wirkung wieder ein Stück Lebensqualität herstellen. Der Tierarzt trifft die Wahl immer individuell den Bedürfnissen des Hundes entsprechend.

Operative Eingriffe sind manchmal die letzte Möglichkeit, bevor eine endgültige Entscheidung getroffen werden muss. Bei der sogenannten PIN-Operation wird der Musculus pectineus durchtrennt, gegebenenfalls komplett entfernt, sowie der Gelenkkapselrand umgeschnitten. Die schmerzleitenden Nervenfasern werden somit unterbrochen.

Die Kapselraffung wird nur bei Jungtieren angewendet. Mittels chirurgischer Straffung der Gelenkkapsel werden Subluxationen und weitere Abnutzungen größtenteils verhindert.

Mittels Osteotmie werden die Beckenknochen neu gerichtet. Die Tiermedizin ist sogar soweit, künstliche Hüftgelenke zu implantieren, was sich jedoch als sehr kostspielig erweist. Alternativen können unter anderem eine Stammzellentherapie sein, Goldimplantate sowie die Femurkopfresektion.

Zum Teil konnten auch Erfolge bei einer Physiotherpaie beobachtet werden, die gezielt zur Schmerzlinderung und zum Muskelaufbau eingesetzt wird.

Letztlich sind Züchtung, gesunde Ernährung sowie die richtige Bewegung die maßgeblichen Faktoren, um die HD bei Hunden erfolgreich zu behandeln und sowohl den Vierbeinern als auch den Zweibeinern ein schönes Miteinander zu ermöglichen.